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Newsarchiv 2015

Charlie, ein neuer FellWechsel-Hund

charlie04Zugegeben, so ganz "neu" ist Charlie nicht bei FellWechsel. Doch er ist ein ganz besonderer kleiner Hund mit einer besonderen Geschichte, und so brauchte es einige Zeit, bis wir ihn Euch vorstellen konnten.

Kennengelernt haben wir Charlie bereits Anfang Dezember letzten Jahres. Ein Verein bat uns um Hilfe bei einer Nachkontrolle in der Nachbarschaft, da sich in der Adoptionsfamilie einige Probleme mit dem vermittelten Hund etabliert hatten.

Charlie stellte seine Familie vor einige Rätsel. Er mochte abends im Dunkeln nicht vor die Tür gehen und verteidigte seine Ansicht auch mit den Zähnen. Nachdem er sein Frauchen mehrfach so bös erwischt hatte, dass auch Blut floss, war die Familie mit ihrem Latein am Ende. Im Sommer fiel diese Problematik nicht großartig ins Gewicht, doch im Winter wurde jeder Abendgassigang zum täglichen Ringkampf, den nicht selten der Hund für sich entschied. Als meine Freundin mich deshalb um meine Meinung bat, war ich gespannt, was mich erwartet. Was ich ganz sicher nicht erwartet hatte war der kleine moppelige Flausche-Hund, der uns da in der Haustür fröhlich entgegen sprang... Der sollte so gefährlich sein??

Im Laufe des Gesprächs mit seinen Besitzern stellte sich schnell heraus, dass die Lage sogar prekärer war, als ich vermutet hatte. Die Familie plante eigene Kinder und das Vertrauen zu Charlie war schon so weit erschüttert, dass sie nicht sicher waren, ob sie das mit ihm hinbekommen würden. Denn Charlie biss nicht nur, wenn er abends nicht Gassi gehen wollte und man ihn holte, sondern er verteidigte auch vehement das Bett seiner Besitzer, das er bei Abwesenheit gerne okkupierte. Das ging so weit, dass seine Besitzer auf der Couch ausharrten, bis Charlie von selbst das Bett räumte, und dann in Windeseile ins Bett gingen, bevor Charlie wieder drin lag.  Zudem lagen offensichtlich auch gesundheitliche Beeinträchtigungen vor, denn Charlie war kaum in der Lage, die Treppen hinunter zu kommen, er humpelte und beleckte und benagte seine Pfoten so ausdauernd, dass alle vier Pfoten aufgequollen, das Nagelbett wund geleckt und die ganzen Pfoten bräunlich verfärbt waren. Charlie ging auch nicht über Gras oder nasse Böden. Nach einem kurzen Spaziergang mit Charlie und einem langen Gespräch mit den Besitzern stand der erste Schlachtplan fest. Die Familie war gewillt, noch einen letzten Versuch mit unserer Hilfe zu machen, um einen gemeinsamen Weg mit ihrem Charlie zu finden. Wir erstellten einen Trainingsplan, planten einen Futterwechsel und verabredeten uns mit den Besitzern für ein weiteres Treffen einige Wochen später. Zusätzlich telefonierten wir mit der Familie zwischendurch. 

Die ersten Rückmeldungen waren überraschend positiv. Obwohl die Familie sich bei unserem Besuch nicht einig schien, ob unsere Tipps für sie der richtige Weg seien und ob ein erneuter Versuch überhaupt noch Sinn machte, hatten sie die Änderungen weitestgehend umgesetzt. Nicht zuletzt wahrscheinlich deshalb, weil wir ihnen klipp und klar sagen mussten, dass er in dieser seelischen und körperlichen Verfassung nicht vermittelbar war und wir uns auch nicht mal eben ein geeignete Pflegestelle aus dem Arm schütteln konnten.

Deshalb bemühte sich meine Freundin mit ihrem Verein direkt nach unserem ersten Besuch vorsichtshalber darum, einen neuen Platz für Charlie zu finden. Schließlich schien eine geeignete Pflegestelle gefunden, die ihn sogar behalten wollte, wenn er sich gut bei ihr einlebte. Sollte es also tatsächlich in seiner Familie nicht mehr klappen, könnte er umziehen. Uns fiel ein Stein vom Herzen.

An Neujahr besuchten wir Charlie erneut, um uns von seinen Fortschritten zu überzeugen und gemeinsam mit der Familie das weitere Vorgehen zu besprechen. Der Besuch war ernüchternd und nur zwanzig Minuten nach der Begrüßung standen wir mit Charlie und allerlei Zubehör vor dem Auto. Wir mussten ihn kurzerhand einpacken, da ein Mitglied seiner Familie ihn definitiv nicht mehr behalten wollte. Und wenn die Menschenfamilie sich nicht einig ist, macht ein Verbleib des Tieres in diesem Zuhause einfach keinen Sinn mehr. Zu groß ist der Stress, nicht nur für die Menschen, sondern besonders für das Tier. Erneute Zwischenfälle sind vorprogrammiert.

Charlie kam erst einmal über Nacht mit zu mir nach Hause, da seine neue Pflegefamilie 600 km entfernt wohnte. Als der Verein bei der Familie anrief, um ihr zu sagen, dass Charlie tatsächlich zu ihnen ziehen würde, musste die Frau die Fahrt erst einmal absagen, da sie mit einer üble Grippe flach lag. Naja, dachte ich mir, dann bleibt Charlie halt noch ein paar Tage, was soll’s. Er zeigte sich weitestgehend verträglich mit meinen Hunden und dem Kater und mit seinen diversen Macken kam ich gut zurecht. Ich informierte den Verein über Charlies Macken und Marotten und hielt sie auf dem Laufenden über seine Fortschritte und Launen. Längst war er mir ans Herz gewachsen, denn er zeigte sich als total verunsicherter Hund, der sich absolut unwohl in seiner Haut fühlte und klare Strukturen brauchte. Aus den paar Tagen wurden noch ein paar Tage mehr und irgendwie kam der Verein mit der Pflegestelle nicht überein wegen eines Übergabetermins. Und ich hatte Mitte Januar einen mehrtägigen Termin, den ich ebenfalls nicht verschieben oder absagen konnte. Und nun? 

charlie05Zwei Tage vor meiner Abreise telefonierte ich dann selbst mit der Pflegestelle und stellte schnell fest, dass die Chance, dass es dort mit Charlie klappte, voraussichtlich gegen null ging. Manches kann man halt im Vorfeld nicht wissen, sondern erst, wenn man das Tier persönlich kennengelernt hat. Oh je…Wie sollte es weitergehen? Da Charlies Verein nun wirklich auf dem Schlauch stand und ich weg musste, rief ich kurzerhand Heike an, ob sie zusätzlich zu meiner Lunita vielleicht Charlie hüten könnte anstatt Yanco. Ja, das konnte sie. Und Annette erklärte sich spontan bereit, nicht nur Olli, sondern auch Yanco zu nehmen. Ach, ich habe so tolle Freundinnen und Hundesitter! Ich hätte beide -wie schon so oft- knutschen können!  Also brachte ich zwei Tage später meine Hunde zu ihren Hundesittern und fuhr erst einmal beruhigt zu meinem Termin. Als ich meine Hunde nach einigen Tagen wieder einsammeln wollte, hatte Heike bereits Herzchen in den Augen und bot sich als Pflegestelle für Charlie an. Kurzerhand besprachen wir die Situation im Vorstand und boten dem Verein die Übernahme von Charlie an. So wurde Charlie ein FellWechsel-Hund. 

Charlies Juckreiz wurde die größte Herausforderung für uns. Sämtliche tierärztliche Untersuchungen blieben mehr oder minder ergebnislos. Inwiefern die Pfotenkauerei und Juckerei sich zuerst als Übersprungshandlung etabliert und somit die Hautreizungen ausgelöst hatte oder umgekehrt, bleibt Spekulation. Charlie wurde auch einem Heilpraktiker vorgestellt. Sein Immunsystem wurde mit homöopathischen Mitteln gestärkt und Charlie wird im Ausschlussverfahren gefüttert, um mögliche Auslöser herausfiltern zu können. Dadurch, dass er sich nun körperlich wieder besser fühlt und in seiner Pflegefamilie konsequente Führung erfährt, hat Charlie sich mittlerweile zu einem deutlich entspannteren Hund gemausert und die Zeit ist gekommen, wo auch er sich auf die Suche nach einem eigenen Zuhause machen kann.
(Nicole Zinn)

 

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