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Mittelmeerkrankheiten, die durch Zecken übertragen werden

Da es in Europa mehrere Zeckenarten gibt, die für die Übertragung der Mittelmeerkrankheiten relevant sind, gibt es zunächst einmal einen Überblick über die diversen Zeckenarten.

Braune Hundezecke = Rhipicephalus sanguineus

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Vorkommen: Ab Zentral - Frankreich südlich in allen Mittelmeerländern inkl. Portugal

Aktivität: ganzjährig.
Besonderheit: Auch außerhalb des eigentlichen Risikogebietes in beheizten Räumen lange überlebensfähig.
Übertragung von: Babesiose, Erlichiose (Vorkommen von gleichzeitiger Babesiose/Erlichiose-Infektion), Hepatozoonose.

Auwaldzecke = Dermacentor reticulatus

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Vorkommen: Frankreich, Nord - Spanien, Nord - Italien, Kroatien, zunehmend auch Deutschland.

Aktivität: Ganzjährig, besonders häufiges Auftreten im März / April und September / Oktober
Besonderheit: Buntzecke, marmorierte Zeichnung auf dem Rückenschild
Übertragung von: Babesiose

Holzbock = Ixodes ricinus

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Vorkommen: Zwischen dem 45ten und 60ten Breitengrad von Schweden / Norwegen bis Nord - Spanien / Nord - Italien

Aktivität: Ab einer Außentemperatur von ca. 10°C
Besonderheit: Gängige, einheimische Zecke
Übertragung von: Anaplasmose

 

Babesiose:

Erreger: Die Erreger der Babesiose sind Einzeller (Babesien). In Europa gibt es zwei Babesienarten: Babesia canis und Babesia vogeli.
Übertragung: Die Übertragung der Babesiose erfolgt beim Saugakt von Zecken (Auwaldzecke, braune Hundezecke).

Man unterscheidet zwei Formen der Babesiose:
- akute Babesiose
Babesien dringen nach dem Saugakt in die roten Blutkörperchen ein, vermehren sich in diesen und zerstören sie. Ein bis drei Wochen nach der Infektion und allgemeinen Symptomen (hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gewichtsabnahme, Mattigkeit, Lymphknotenschwellungen, Schwellung von Leber und Milz) ergeben sich aus der Zerstörung der roten Blutkörperchen die typischen Babesiose - Symptome: Blut im Urin, bräunlicher Urin, blutiger bis rötlich - brauner Kot, Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten. Seltener werden auch Störungen des Bewegungsapparats in Form starker Muskelschmerzen beobachtet, ebenso werden neurologische Auffälligkeiten bis hin zum Krampfanfall beschrieben.
Eine akute Babesiose ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die möglichst rascher Behandlung bedarf, da sie sonst zum Tod des Tieres führen kann.

- chronische Babesiose
Trotz der Gefährlichkeit dieser Erkrankung für Hunde überstehen einige Tiere die Erkrankung. Sie tragen dann nur den Erreger in sich, zeigen aber keine Symptome.

Diagnose:
1: Blutbild, klinische Chemie
Im Blutbild zeigen sich erniedrigte rote Blutkörperchen, evtl. auch erniedrigte Blutplättchen. Die klinische Chemie zeigt bei einer akuten Babesiose ein erhöhtes Bilirubin.

+2: Eiweißelektrophorese*

3: Babesiose-IFAT
Antikörper gegen Babesien lassen sich frühstens 10 Tage nach der Infektion nachweisen.
Bei chronischen Babesiosen ist das Auftreten von Antikörpern häufig der einzige Hinweis auf eine durchgemachte Infektion.

4: Mikroskopischer Erregernachweis
Da Babesien - Antikörper erst ab dem 10. Tag nach einer Infektion gebildet werden, kann bei einem Babesioseverdacht ein Blutausstrich unter dem Mikroskop auf Babesien in den roten Blutkörperchen untersucht werden. Babesien sind allerdings nur kurzzeitig in den roten Blutkörperchen nachweisbar.

5: PCR
Eine PCR ist ein direkter Erregernachweis mittels Suche nach vorhandenem Erregererbgut. Allerdings sind durch diese Untersuchung die Babesien nur in bestimmten Krankheitsstadien nachweisbar.

Therapie:
Eine Babesiose ist heilbar. Die Therapie erfolgt mit Carbesia. Dieses Medikament wird zwei mal im Abstand von 14 Tagen gespritzt. Die Injektion ist zum Teil recht schmerzhaft. Carbesia ist ein Chemotherapeutikum, was im allgemeinen als nebenwirkungsarm gilt. Auch wenn eine chronische Babesiose vorliegt, sollte sie therapiert werden. Zum einen ist der Hund Träger des Erregers, da eine der übertragenden Zeckenarten mittlerweile auch in Deutschland vermehrt auftritt, kann der Hund die Krankheit also weiter verbreiten. Zum anderen können durch diverse Faktoren die Babesien erneut aktiviert werden, so dass der Hund symptomatisch erkrankt. Carbesia ist kein in Deutschland zugelassenes Medikament und muss erst über eine internationale Apotheke bestellt werden.

 

Erlichiose:

Erreger: Die Ehrlichiose wird durch den Erreger Ehrlichia canis hervorgerufen. Dieser Erreger gehört zur Gruppe der Reckettsien (Bakterien).

Übertragung: Übertragen wird die Ehrlichiose durch den Stich der braunen Hundezecke.

Man unterscheidet zwei Formen der Ehrlichiose:
- akute Ehrlichiose
Der Erreger dringt durch den Biss der Zecke in den Körper ein und befällt eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Monozyten). 8 bis 20 Tage nach der Infektion kommt es zu allgemeinen Symptomen: Schlechtes Allgemeinbefinden, Fieber, Appetitlosigkeit, Lymphknotenschwellungen.
Im weiteren Verlauf fällt eine Blutungsneigung auf: Nasenbluten, Blut im Kot oder Urin, Husten von Blut, Blutergüsse in den Gelenken, punktförmige Einblutung in die Schleimhaut, Blutergüsse unter der Haut.

- chronische Ehrlichiose
Durch die Reaktion des Immunsystems auf den eingedrungenen Erreger wird dieser zwar nicht beseitigt, jedoch so weit bekämpft, dass die Infektion in ein chronisches Stadium übergeht. Die Erreger ziehen sich unter anderem ins Knochenmark zurück. Äußere Symptome sind nicht oder in geringem Ausmaß erkennbar. Durch eine Belastung des Immunsystems kann es zu einem symptomatischen Ausbruch der Krankheit kommen.

Diagnose:
1: Blutbild, klinische Chemie
Bei einer akuten Ehrlichiose fallen erniedrigte Blutplättchen, evtl. auch erniedrigte rote und weiße Blutkörperchen auf. Die klinische Chemie zeigt erhöhte Leberwerte. Bei einer chronischen Erlichiose ergeben evtl. erniedrigte Blutplättchen häufig den einzigen Hinweis auf die Erkrankung.

+2: Eiweißelektrophorese*

3: Ehrlichiose -IFAT
Antikörper treten frühestens 14 Tage nach der Infektion auf. Ergibt sich ein positiver Antikörpertest auf Ehrlichien, steht fest, dass der Hund mit dem Erreger Kontakt hatte. Zusammen mit dem Blutbild, der klinischen Chemie, der Eiweißelektrophorese und dem Allgemeinbefinden des Hundes ergibt sich eine Aussage, ob eine akute oder chronische Ehrlichiose vorliegt.

4: PCR auf Ehrlichien
Durch den Nachweis von Ehrlichien - Erbgut (DNA) kann der Erreger direkt nachgewiesen werden. Dies setzt aber voraus, dass die Ehrlichiose akut ist und sich damit die Erreger im Blut befinden. Bei einer chronischen Ehrlichiose sind die Erreger im Blut durch eine PCR nicht nachweisbar.

Therapie:
Prinzipiell ist Ehrlichiose heilbar. Die optimalen Heilungschancen bestehen bei einer frischen Infektion. Bekämpft der Körper den Erreger und dieser zieht sich ins Knochenmark zurück, wird eine erfolgreiche Therapie erheblich schwieriger, es ist wissenschaftlich nicht genau erwiesen, inwieweit das Antibiotikum auf die zurückgezogenen Erreger wirkt, es ist aber davon auszugehen, daß nicht alle Erreger eliminiert werden können. Eine Therapie sollte deshalb nicht nach Antikörpermenge, sondern nach Blutbefunden und Symptomen erfolgen. Therapiert wird eine Erlichiose mit Doxycyclinhyclat über vier bis sechs Wochen. Auch Carbesia wird eine gewisse Wirksamkeit gegen Ehrlichien nachgesagt. Als alleinige Therapie ist sie aber nicht ausreichend.

Wichtige Hinweise:
Hunde unter einem Jahr sollten nicht mit Doxycyclinhyclat behandelt werden.

Sollte eine Therapie mit Doxycyclinhyclat erfolgen, sollte die Tablette tief in eine Fleischtasche verpackt verabreicht werden, da das Medikament ohne entsprechende Verpackung im wahrsten Sinne des Wortes ätzend auf die Schleimhaut von Speiseröhre und Magen wirkt, was unter Umständen zu massiven Problemen führen kann, so dass die Therapie abgebrochen werden muss.

 

Anaplasmose:

Die Anaplasmose war bis vor einigen Jahren eine unbekannte Krankheit und zählt auch heute noch nicht zu den „klassischen“ Mittelmeerkrankheiten, wobei sie mittlerweile auch in Nord - Spanien und Nord - Italien zu finden ist. An dieser Stelle wird sie aufgrund ihrer deutlichen Ähnlichkeit zur Ehrlichiose erwähnt.
Bei der Anaplasmose gibt es ebenfalls eine akute und chronische Form.

Erreger:
Die Erreger von Ehrlichiose und Anaplasmose sind verwandt. Im Gegensatz zu den Monozyten bei der Ehrlichiose werden hier die Granulozyten (eine weitere Untergruppe der weißen Blutkörperchen) vom Erreger Anaplasma phagozytophillum, früher Ehrlichia phagozytophillum genannt, befallen. Dieser Erreger gehört, ebenso wie Ehrlichia canis zur Gruppe der Reckettsien (Bakterien).

Symptome:
Die Symptomatik ist weitestgehend identisch mit der Ehrlichiose. Bei der Anaplasmose ergeben sich häufiger auch Probleme im Bewegungsapparat (Lahmen, geschwollene, heiße Gelenke, Wechsel der betroffenen Extremitäten).

Diagnose: *1:
Blutbild, klinische Chemie, Eiweißelektrophorese: Die Auffälligkeiten sind identisch mit denen einer Erlichiose.

2: IFAT / PCR auf Anaplasmen

Therapie:
Die Therapie ist identisch mit der der Ehrlichiose.

Sollte Ihr Hund also Anzeichen einer Ehrlichiose aufweisen (Symptomatik, Blutbefunde), ein Erregernachweis auf Ehrlichiose aber negativ sein, ist an eine Anaplasmose zu denken.

 

Hepatozoonose:

Erreger: Hepatozoen sind Einzeller, Hepatozoon canis gehört zur Gruppe der Kokzidien.

Übertragung:
Übertragen wird die Hepatozoonose durch die braune Hundezecke, allerdings nicht durch den Zeckenbiss, sondern durch das Verschlucken der gesamten Zecke. Im Darm bohren sich die Erreger durch die Darmwand und gelangen über das Blut und die Lymphflüssigkeit in Leber, Milz, Knochenmark, Muskulatur und Lunge.

Symptome:
Die Hepatozoonose ist eine eher selten festgestellte Erkrankung, da zum Einen der Erregernachweis sehr schwierig ist und zum Anderen die Erkrankung häufig symptomlos verläuft.

Folgende Symptome können auftreten:
Fieber, Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Lymphknotenschwellungen, Muskelschmerzen und Muskelschwäche, steifer Gang, Schmerzempfindlichkeit, Nasen - und Augenausfluss.

Durch die Wanderung der Erreger kann es zu Veränderungen in Leber, Lunge, Knochenmark und Milz mit daraus abzuleitenden Symptomen kommen.

Diagnose:
1: Blutbild, klinische Chemie
Häufig gibt es hier gar keine Auffälligkeiten, möglich sind erniedrigte Blutplättchen sowie erniedrigte rote und weiße Blutkörperchen.

2: Direkter Erregernachweis
Im Blutausstrich können ab der fünften Woche nach der Infektion die Hepatozoen in den weißen Blutkörperchen nachgewiesen werden. Einen entsprechenden Antikörpertest gibt es nicht, eine PCR ist sehr ungenau. Hepatozoen sind sehr schwierig nachzuweisen.

Therapie:
Die Hepatozoonose ist wenig erforscht, die Therapie eher experimenteller Art, der Erreger kann nicht beseitigt werden.
Eine gewisse Wirksamkeit wird folgenden Medikamenten nachgesagt: Doxycyclinhyclat und Carbesia.
Ansonsten erfolgt die Therapie symptomatisch.

 

Filariose - Herzwurmerkrankung:

In Europa sind 5 verschiedene Filarienarten beim Hund bekannt.
Die bekannteste (aber nicht häufigste) Filarienart bei Hunden ist: Dirofilaria immitis - der “Herzwurm”.

Weitere sind:
Dirofilaria repens (vorkommen hauptsächlich in Osteuropa und Italien, darum hier nicht weiter beschrieben) und Dipetalonema reconditum, die auch als “Hautfilarie” bezeichnet wird, sowie zwei weitere Arten die nicht Krankheitsauslösend sind.
Herzwurm (Dirofilaria immitis):

Übertragung:
Der Herzwurm wird von verschiedenen Stechmückenarten übertragen, die in ganz Südeuropa, einigen Ländern Osteuropas sowie in der Schweiz vorkommen können. Nach dem Stich der Stechmücke gelangen winzige Wurmlarven (Mikrofilarien) ins Blut, wandern durch den Körper und setzen sich schließlich als erwachsene Würmer (Makrofilarien) in den großen Blutgefäße von Herz und Lunge, aber auch in Organen wie Leber und Niere fest.

Symptome:
Die Symptomatik ist von der Stärke des Befalls abhängig. Es kann folgende Auffälligkeiten geben: Gewichts- und Konditionsverlust, erschwerte Atmung nach Anstrengung, Husten (z.T. mit Blutbeimengung), Wassereinlagerung im Bauchraum und in den Gelenken.

Diagnose:
1: Indirekter Erregernachweis
Hierbei wird ein Eiweiß nachgewiesen, das das erwachsene Herzwurmweibchen während der Geburt der Wurmlarven ausschüttet. Ein positives Ergebnis zeigt sich frühestens fünf bis sechs Monate nach der Infektion.

2: Direkter Erregernachweis
Mittels eines so genannten Knott-Tests lassen sich Wurmlarven im Blut nachweisen. Bei einem positiven Knott-Test wird mittels PCR (Erbgutuntersuchung) ermittelt, um welche Art der verschiedenen Filarienarten es sich bei den vorliegenden Wurmlarven handelt (Mehrfachinfektionen sind möglich).
Eine Unterscheidung, welche Wurmart bei dem betreffenden Hund vorliegt, ist deshalb wichtig, weil die verschiedenen Filarienarten mit unterschiedlichen Medikamenten über einen unterschiedlichen Zeitraum therapiert werden.

Therapie:
Advocate zur Therapie der Wurmlarven, dieses Spot on macht gleichzeitig die erwachsenen Würmer unfruchtbar.
Die Ansteckung anderer Tiere wird somit vermieden.
Die Therapie der Herzwürmer ist je nach Befall risikoreich, da die abgestorbenen Herzwürmer die Gefäße verstopfen können.
Eine Therapie mit Immiticide (frühere Behandlungsmethode) ist keine Garantie dafür, dass alle erwachsenen Herzwürmer absterben und gilt darum als nicht mehr zuverlässig und sehr nebenwirkungsreich.
Darum ist man bei dieser Filarienart dazu übergegangen, nur die Mikrofilarien mit Advocate zu behandeln, bis die erwachsenen Herzwürmer eines natürlichen Alterstodes sterben.

Es gibt auch neuere Therapieansätze mittels Antibiotikagabe zur Behandlung der erwachsenen Herzwürmer. Es erfolgt zeitgleich zur Advocate-Therapie eine Anwendung mit Doxycyclinhyclat Tabletten über einen Zeitraum von 28 Tagen (2 x tgl. 20 mg/kg-Körpergewicht). Im Anschluß (nach Ablauf der 28 Tage) wird eine erhaltende Dosis zweimal wöchentlich (2 x tgl. 100 mg) über einen Zeitraum von 3-6 Monaten gegeben.

 

© Steffi Scheidt  - Wir bedanken uns ganz herzlich für die Genehmigung zur Nutzung ihrer Texte

Fotos: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia

 

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